"Familie ist nicht Frauensache" von Judith Schwentner, 18.8.2010

Leserbrief an Die Presse am 18.8.2010

 

"Familie ist nicht Frauensache"? Da muss ich widersprechen. Selbstverständlich ist Familie Frauensache! Neu ist jedoch, dass sie ebenso auch Männersache sein sollte.



Es ist unbestritten, dass zu den wichtigsten Wünschen (und Bedürfnissen!) von Kindern eine intakte Familie zählt. Das heißt für mich, dass es für jedes Kind Menschen geben sollte, die sich prinzipiell immer und jederzeit liebevoll um es kümmern, wenn es das braucht, normalerweise findet sich jemand dafür innerhalb der Familie. Professionelle Freundlichkeit ist für sehr kleine Kinder zu wenig.



Aus biologischen Gründen sind für mich Frauen deshalb bei Säuglingen mehr betroffen als Männer, weil sie ihre Babys stillen können. Das darf aber kein Grund sein, Männer aus der Verantwortung zu entlassen oder sie gar wegzuschicken. In allen anderen Belangen können sie nämlich auch kleinste Kinder bestens versorgen, wenn sie sich darum bemühen.



Damit das einigermaßen sorgenfrei möglich ist, fordert die Österreichische Hausfrauenunion seit Jahren ECHTE WAHLFREIHEIT für Eltern. Wir wollen nicht, dass ideologisch belastete Politiker über Kinderbetreuung entscheiden! Wir wollen, dass die jeweiligen Eltern selbst entscheiden können, ob sie das ihnen zustehende Kindergeld für Kinderbetreuung zu Hause oder für Fremdbetreuung ausgeben. Und, natürlich, dass diese Lösungen flexibel sind, wie auch Familien verschieden sind und sich entwickeln. Verschiedene Betreuungsmodelle müssen verschiedenen Lebensumständen und verschiedenen Lebenszeiten Rechnung tragen.



Dass man sich zwischen Kindern und Karriere entscheiden müsste, ist keinesfalls notwendigerweise so, wie eindrucksvolle Beispiele immer wieder zeigen. Es ist vielmehr eines der vielen Mittel, Arbeitnehmerinnen auszubeuten und ihnen gleichzeitig ein schlechtes Gewissen zu suggerieren, egal, wie sie sich entscheiden. Außerhäusliche Arbeit bedeutet wohlgemerkt, entgegen linken Beteuerungen, keineswegs finanzielle Unabhängigkeit. "Finanziell unabhängig" zu sein bedeutet, so viel Geld zu haben, dass man weder einen (vielleicht knausrigen) Ehepartner, noch einen (vielleicht ausbeuterischen) Chef, noch (auf ihren eigenen Vorteil bedachte) Kunden um welches bitten muss!



Sobald Karenz nicht mehr als Zeitverschwendung und Rückschritt angesehen wird, sondern als wertvolle Zeit, die Menschen reifer machen kann, wird es weder für Mütter noch für Väter ein Problem sein, sich eine kurze Zeit ihres Lebens selbst um ihre Kinder zu kümmern. Diese "Knochenarbeit" (laut Heinisch-Hosek) kann tatsächlich sogar Spaß machen!



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