Mag. Erika Gossler an Familienminister Mitterlehner - am 26. August 2013

Sehr geehrter Herr Minister!


Ich habe die Einladung zur Diskussion am 10. September erhalten,
kann aber leider an diesem Tag nicht nach Wien kommen. Ich hätte gern zu Gehör
gebracht, was ich seitens der ÖVP vermisse: es sind mutigere Forderungen!



Hier in der Steiermark setzt sich Sissy Potzinger sehr für Familien ein, auch Siegfried Nagl zeigte Ansätze, als er den "Müttertausender" im Grazer Wahlkampf versprach, aber die Diskussion geht nicht weit genug. Es reicht nicht, den Müttern / Eltern längstens drei Jahre lang finanziell ein bisschen unter die Arme zu greifen, Pflege-freistellung auf 2 Wochen zu verlängern (es soll Kinder geben, die länger krank sind) und Steuerfreibeträge sowie 4 Jahre "Anrechnung" für jedes (!) Kind für die Pension zu fordern, es muss Grundsätzlicheres passieren, damit es Familien besser geht, damit der „Mut zum Kind“ größer wird sowie der Wille, Familie im Alltag zu leben.


Bereits vor über 2 Jahren, am 3. Mai 2011 veröffentlichte in Brüssel die Delegation "Movement Mondial des Mères – MMM-Europe" die Ergebnisse einer europaweiten Befragung von 11.000 Müttern in 16 Staaten, in welchen sie ihre Wünsche und Nöte bekannt geben konnten. Das Ergebnis kann nicht genug Würdigung erfahren:


3 Dinge sind es insbesondere, die sich Mütter in Europa wünschen:

Zeit: Frauen und Mütter wollen mehr Zeit für ihre Familien und ihre Kinder, ohne deshalb berufliche und andere Interessen wesentlich einschränken zu müssen. Gefordert wird aber NICHT mehr außerhäusliche Betreuung, sondern eine Besserstellung durch effektive Teilzeitarbeit, familienfreundliche Betriebe und eine Verlängerung der finanziell ausreichend abgegoltenen Zeit nach der Geburt eines Kindes. Diese soll auch zwischen Vater und Mutter geteilt werden können. Das provokative Ausspielen „arbeitender“ Mütter gegen „Haus­frauen“ ist kontraproduktiv und obsolet. Hausfrauen bzw. Familienfrauen sind wir alle, zumal immer noch 70 Prozent der Männer im Haushalt nicht einmal regelmäßig helfen!

Wahlfreiheit: Gefordert wird mehr gesellschaftliche Anerkennung jener Mütter, die ihre Kinder längere Zeit selbst erziehen und versorgen wollen! Denn­och muss die spätere Rückkehr ins Arbeitsleben gewährleistet sein, eben­so wie pensionsrechtliche Absicherung für Frauen, die sich ganz der Familie widmen. Echte Wahlfreiheit statt Fremdbestimmung ist das Thema!


Anerkennung: ausdrücklich betont wird die Wichtigkeit ausreichender Be­treu­ung eines Kindes innerhalb der Familie während seiner ersten drei bis vier Lebens­jah­re zur Ent­wicklung seiner sozialen und emotio­nalen Bindungs­fähig­keit! Hierin sind sich Mütter (und  wohl auch Väter) von London bis Budapest, von Stock­holm bis Madrid laut Umfrage vollkommen einig:

 

Familienarbeit hat etwas wert zu sein!

Bitte helfen auch Sie mit, dem "Frau/Mutter" (und Mann/Vater-) Sein heute" ein würdiges und zeitgemäßes Gesicht zu geben!

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Kerschbaumer (Redaktion) (Sonntag, 08 September 2013 13:06)

    Sehr geehrte Frau Mag. Gossler,

    vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Anregungen.

    Familien sind heute tagtäglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Sie brauchen Zeit - wie auch Sie zu Recht darauf hinweisen -, Geld und Infrastruktur. Daher unterstützen wir die Familien mit Geld-, Sach- und Steuerleistungen. Wir wollen, dass die Familien in Österreich die besten Rahmenbedingungen für ein qualitätsvolles Familienleben vorfinden. Deshalb ist es u.a. wichtig, die Familienbeihilfe transparenter zu machen und gleichzeitig auch zu erhöhen. Im Juni 2013 hat der Ministerrat die Eckpunkte eines neuen Familienförderungsmodells beschlossen, welches im ersten Halbjahr 2014 umgesetzt werden soll. Diese Erneuerung der Familienbeihilfe bringt für alle Familien im Schnitt ein Plus von rund sechs Prozent. Damit werden die Familien in Zukunft jährlich mit rund 207 Millionen Euro zusätzlich unterstützt. In weiterer Folge soll es alle zwei Jahre eine Erhöhung der Familienbeihilfe geben, die konkrete Höhe der Indexierung wird von der Beschäftigung bzw. der damit verbundenen Entwicklung des Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) abhängen.

    Auch für mich steht das Thema Wahlfreiheit für die Familien im Mittelpunkt. Eltern vor allem die Mütter sollen selbst entscheiden können, ob und wann sie in ihren Beruf zurückkehren. Meines Erachtens braucht es dafür die Anerkennung der Erziehungsleistung der Eltern vor allem der Mütter, notwendig ist aber auch der weitere Ausbau der Kinderbetreuungsangebote. Denn nur wenn die entsprechenden qualitätsvollen Angebote vorhanden sind, ist eine echte Wahlfreiheit gegeben. Ich gebe Ihnen Recht, wir brauchen auch mehr Familienfreundlichkeit in den Unternehmen vor allem durch flexible Arbeitszeitmodelle und dazu gehört auch die Teilzeitarbeit. Gerade das Recht der Eltern auf Teilzeitarbeit ist eine politische Errungenschaft, an der wir auch in Zukunft nicht rütteln werden.

    Wahlfreiheit haben wir aber auch durch die unterschiedlichen Varianten des Kinderbetreuungsgeldes geschaffen. Diese Ausdifferenzierung des Kinderbetreuungsgeldes in mittlerweile fünf verschiedenen Bezugsvarianten basiert wesentlich auf Untersuchungsergebnissen, in denen auch die Wünsche und Bedürfnisse der Bezieherinnen und Bezieher erfragt wurden. So kann die Mutter beispielsweise 30 Monate lang im Monat rund 436,-- Euro Kinderbetreuungsgeld beziehen.

    Ich stimme mit Ihnen überein, Familienarbeit muss was wert sein, deshalb ist das Ziel der ÖVP auch die volle Anrechnung der Kindererziehungszeiten für die Pension und zwar volle vier Jahre für jedes Kind unabhängig von der Geburt des Kindes. Des Weiteren ist es notwendig, die Familien steuerlich zu entlasten. Unsere Forderung lautet daher: Einführung eines Kinderfreibetrages von 7.000,-- je Kind pro Jahr.

    Mir ist es wichtig, die Österreicherinnen und Österreicher bestmöglich dabei zu unterstützen, Familie nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen leben zu können. Dazu müssen die Rahmenbedingungen weiter gemeinsam verbessert werden.

    Freundliche Grüße
    Dr. Reinhold Mitterlehner