Leserbrief von Dr. Gabriele Feyerer an "Die Ganze Woche" zum Artikel: "Wir werden das familienfreundlichste Land Europas" (Nr. 34/14):

Ministerin Karmasin betont darin, dass künftig Familien mehr Sach- und weniger Geldleistungen erhalten sollten - vor allem läuft dies auf den Ausbau von Krippen für Kinder von 0 - 3 Jahren hinaus. Diese wird von Ministerin Heinisch-Hosek im Rahmen der vorgeblichen "Bildungsoffensive" massiv gefordert - Krippenpflicht ab einem Jahr wäre wohl das Wunschbild!
 
Frau Heinisch-Hosek (kinderlos) meint also, keine Mutter von 3 Kindern könne "mehr" arbeiten ohne - finanziell erzwungene - Fremdbetreuung ihrer Kleinstkinder? Die meisten Eltern würden liebend gern nicht mehr, sondern weniger arbeiten und mehr Zeit für Ihre Kinder haben! Steuervorteile soll nur nutzen können, wer gut verdient, sprich 8 Stunden außerhäuslich arbeitet. Was Kinder wollen, ist sichtlich egal. Auch Väter beteiligen sich kaum an der Familienarbeit, also führen wir am besten die Krippenpflicht ab einem Jahr ein und das Problem ist zugleich auch für die Wirtschaft gelöst. Welche Lüge! Familienfreundlich ginge anders - nämlich durch echte Wahlfreiheit in der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren. Wer diese selbst leistet, wäre dafür angemessen zu honorieren. Vor Bildung kommt nämlich Bindung, um ein sozial funktionsfähiger Mensch zu werden. Dazu braucht es Familie, Nähe, Zuwendung und Zeit. Wer Eltern das nimmt, zerstört Familien und wünscht sich offenbar DDR-Zustände herbei. Die wahren Motive dahinter sind ersichtlich: die Produktion immer neuer Rädchen im Getriebe der Konsumgesellschaft, die davon lebt, Müttern einzureden, all das hätte etwas mit Selbstverwirklichung zu tun!
 
Dr. Gabriele Feyerer
Geschäftsführerin
Verein Hera - Frauen für Familie
Schmiedgasse 21, 8010 Graz

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Kommentare: 1
  • #1

    Mag. Anderhuber Astrid (Mittwoch, 17 Dezember 2014 21:28)

    Sehr geehrte Frau Dr. Feyerer,

    ich danke Ihnen für diese wahren Worte!!
    Ich bin selbst Mutter einer mittlerweile 4 jährigen Tochter und kann mir ein 2. Kind nicht leisten. Hätte aber gerne eines.
    Ich MUSS arbeiten gehen, weil es finanziell nicht anders geht, wünschte mir aber so sehr, dass ich bei meinem Kind bleiben kann!!!
    Derzeit bin ich arbeitslos und durch die viele Zeit kommen all die Gedanken und Gefühle hoch, die ich sonst unterdrücken konnte: ich fühle mich als schlechte Mutter, weil ich arbeiten gegangen bin (glücklicherweise immer nur Teilzeit) und habe das Gefühl, dass ich meine sehr sensible Tochter vernachlässigt habe. Und es auch wieder tue, weil ich getrieben und gehetzt auf Gedeih und Verderb einen Job suchen muss und nicht will. Dadurch werde ich unruhig und gereizt und werde ungenießbar und leicht reizbar. Dies alles sollte eigentlich nicht Sinn und Zweck sein. Ich fühle mich gefangen in einem System, zu dem ich als Mutter nicht gehören will! Und ich weiß, dass viele andere Mütter ebenso denken. Bitte arbeiten Sie weiter daran! Ich habe es mit den Medien versucht, allerdings hat das keine Zeitung wirklich interessiert. Warum? Weil es nun mal nicht "politisch korrekt" ist.
    Mit besten Grüßen
    und der Bitte, sich nicht unterkriegen zu lassen!